Wärmewende ist Schlüssel für Klimaneutralität

Drohnenaufnahme über der GuD-Anlage im Hamburger Hafen:Die GuD-Anlage ist zentrales Element des Energieparks Hafen, der künftig das mit Kohle befeuerte Heizkraftwerk Wedel ablösen soll. Bild: Hamburger Energiewerke

Mit welchen Zielsetzungen lassen sich die vorgezogenen Klimaziele und die angestrebte Versorgungssicherheit miteinander verzahnen, um ein ganzheitliches Energiesystem zu schaffen? Dieser Frage ging eine Konferenz des Clusters Erneuerbare Energien Hamburg (EEHH) auf den Grund.

Mit dem Hamburger Volksentscheid, die Klimaneutralität bereits 2040 zu erreichen, haben Politik, Behörden und Unternehmen in der Hansestadt im vergangenen Oktober einen klaren Auftrag erhalten: Fünf Jahre früher als bislang geplant soll die Elbmetropole klimaneutral werden. Für Hamburgs Energie- und Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) kann die aktuelle geopolitische Lage „ein echter Game-Changer dafür werden“. In ihrem Eröffnungsstatement kritisierte sie, wie wenig aus dem Ukrainekrieg gelernt wurde. „Wir müssen dringend aus den Abhängigkeiten rauskommen, um weiter in Freiheit und Frieden leben zu können“, die Energieunabhängigkeit habe deshalb auch eine gesellschaftliche Relevanz. Mit einem gewissen Neid blickt Fegebank zum nördlichen Nachbarn Dänemark. „Dort stimmen Spirit und Mindset für die großen Fragen und gesellschaftlichen Herausforderungen“, um bei der Umsetzung Kurs zu halten, sagte sie. In Deutschland würde hingegen das Ziel der Klimaneutralität rhetorisch immer wieder in Frage gestellt. „Das können wir uns weder zeitlich noch wirtschaftlich leisten“, so die zweite Bürgermeisterin.

Für Energiewende notwendige Reformpakete greifen kaum ineinander

„Hamburg muss die Dinge selbst in die Hand nehmen“, resümierte denn auch Ben Schlemmermeier von der LBD-Beratungsgesellschaft aus Berlin. In einer Keynote zeigte er eindrucksvoll auf, wie sich der deutsche Energiemarkt zu einem Geschöpf der Rechtsordnung entwickelt habe. Dem Energiewirtschaftsgesetz EnWG als zentralem Gesetz seien mit dem Erneuerbare -Energien-Gesetz (EEG) und dem Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) weitere Einzelgesetze zur Seite gestellt worden, die durch weitere Novellierungen immer komplexer wurden. Heute sei der gesetzliche Rahmen deshalb kaum mehr zu reformieren.

Zielbilder für den Weg zur Klimaneutralität entwickeln

Schlemmermeier plädierte für einen Zusammenarbeitsvertrag: Bürger, Politik, Behörden und Unternehmen sollten ein gemeinsames Zielbild entwickeln und vereinbaren. Rollen und Verantwortung der Akteure müssten dann geklärt und respektiert werden. Dabei bezeichnete der LBD-Geschäftsführer die kommunale Wärmeplanung als den „Nukleus für die Hamburger Systementwicklungsstrategie“. Im Rahmen eines „local energy playbook“ müsse die Systemgestaltung Eingang in die Hamburger Rechtsordnung finden und politische Initiativen auf nationaler und europäischer Ebene anstoßen, urteile Schlemmermeier.

Sozialverträgliche Umsetzung der Energie- und Wärmewende

Wie die Klimaneutralität erreicht und die Energie- und Wärmewende sozialverträglich umgesetzt werden könne, skizzierte Kirsten Fust, Sprecherin der Geschäftsführung der Hamburger Energiewerke. Für sie ist die Wärmewende der Schlüssel zur Klimaneutralität und zugleich ein politischer Hebel für die Transformation der Fernwärme. Schon 2030 will Hamburg bei der Fernwärmeversorgung kohlefrei sein. Mit dem Energiepark Hafen setze das kommunale Unternehmen ein modulares Konzept um, das auf einem hohen Anteil erneuerbarer und klimaneutraler Energien basiere und verschiedene Wärmeerzeuger mit hoher Flexibilität integriere.

Perspektivischer Kohleausstieg

Perspektivisch soll damit das Heizkraftwerk Wedel abgelöst werden. Mit der Nutzung industrieller Abwärme und der erweiterten Wärmenutzung aus der Abfallverwertung Borsigstraße sowie dezentraler klimaneutraler Wärmeerzeuger soll dann bis 2040 eine klimaneutrale und bezahlbare Fernwärmeversorgung für Hamburg umgesetzt werden. „Im Bundesvergleich nimmt Hamburg damit eine Vorreiterrolle bei der Dekarbonisierung der Fernwärme ein“, betonte Fust.